Archiv der Kategorie Leben

Spät habe ich dich geliebt

Spät hab’ ich dich geliebt,
o Schönheit,
so alt und so neu,
spät dich geliebt!

Und siehe,
drinnen warst du und ich draußen,
suchte dich da
und warf mich auf all das Schöne,
das du gemacht,
und war doch selbst so hässlich.

Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir.

Fernab hielt mich von dir all das,
was doch nicht wäre, wär’ es nicht in dir.

Da hast du gerufen,
geschrien,
den Bann meiner Taubheit gebrochen,
hast geblitzt,
gestrahlt
und meine Blindheit verscheucht.

Deinen Duft hab’ ich geatmet
und seufze nun nach dir.

Ich habe dich geschmeckt
und hungere und dürste nun.

Du hast mich berührt,
und ich bin entbrannt
in Verlangen
nach deinem Frieden.

aus: Aurelius Augustinus, Bekenntnisse

Gott, zu dir rufe ich

Gott zu Dir rufe ich!

Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu Dir; Ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht.

Ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht.

Ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe.

Ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede.

In mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld.

Ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weißt den Weg für mich.

(Dietrich Bonhoeffer)

Was für ein Tag!

Herr, was für ein Tag!

Voller Staunen steht ich vor dir. Es ist  herrlich, dein Kind zu sein. Zu leben und zu atmen. Für dich!

Ich preise dich für die Sonne am Himmel und die Wolken, die vorbeiziehen. Ich lobe dich für die Macht deiner Stärke, die mich aufrichtet und mir Mut macht. Ich lobe dich für diesen Neubeginn des Tages und die Fülle deiner Gnade. Herr, du bist wunderbar und einzigartig! Du bleibst immer derselbe, treu, voller Liebe, voller Gnade. Doch mich machst du immer wieder neu. Ich danke dir!

Amen.

Katastrophe

Herr, der Boden schwankt unter meinen Füßen. Nichts ist mehr da, wo es gestern noch war. Alles ist verrückt.

Auch ich. Wer bin ich jetzt? Wo soll ich hin? Was bedeutet noch etwas? Und wie geht mein Leben weiter?

Häuser sind eingestürzt. Bäume entwurzelt. Menschen tot.

Wo ich auch hinschaue. Alles ist anders. Und ich will es so nicht!

Ich will leben. Rette mich.

Mache meine Füße fest. Mach alles wieder gut.

Amen.

Frühlingsgefühle

Herr,

es ist Frühling! Ich spüre die erste Wärme. Sie sinkt ein in meine Haut. Ich danke dir für die Frische neuen Lebens! Ich sehe die ersten Blumen. Das erste Leuchten der Knosben. Ich freue mich! Danke, dass ich leben darf. Hier und heute. Danke, für jeden Atemzug. Danke, für die Bewegung. Danke!

Es ist Frühling und auch ich lebe auf!

Amen.

Leben und Sterben

Gott…

Laß schaffen mich, so lang es Tag,
Auf deinem Feld mit Hack und Spaten.
Gib, daß ich froh mich regen mag,
Und laß die Frucht für dich geraten.

In Schweiß und Mühe laß mich nicht
Am Übermaß vorzeit ermatten,
Und wenn die Mittagssonne sticht,
Birg mich in deinem kühlen Schatten.

Das Licht, das von der Heimat winkt,
Laß mich zur Dämmerstunde sehen.
Und laß mich, wenn die Sonne sinkt,
An deiner Hand nach Hause gehen.

Anna Schieber

Leben

Eine liebe Freundin aus Sarajevo schrieb mir:
“Jede Zeit unseres Leben hat seinen Wert…. Und obwohl der Himmel grau ist, lebt es sich weiter. Jeder Tag bringt etwas Neues und Lebendiges in unseren Leben. Also freu Dich auf jeden Tag Deines Lebens!!!”

Da kam mir folgender Gedanke:
Es müsste schon etwas großes
und Wunderbares geschehen,
damit ich glücklich sein kann.
Strahlender Sonnenschein am Morgenhimmel.
Das Lied eines Vogels auf dem Gartenzaun.
Gänseblümchen an Straßenrändern.
Worte von Menschen, die wir mögen.
Ein Abendrot in der Dämmerung.
Geschieht nicht jeden Tag etwas Großes und
Wunderbares? Grund genug glücklich zu sein.
Jeden Tag.

Isolde Strohle (16) aus: Marcus C. Leitschuh (Hrsg.) Fit für Gott - Gebete und Texte junger Christen, Pattloch Verlag

Wissen wo es langgeht

“Wissen, wo’s langgeht”
Manche Menschen wissen Bescheid.
Manche Menschen wissen, wo’s langgeht.
Sie haben auf jede Frage eine Antwort.
Da gibt es ein glasklares
Schwarz oder Weiß,
Ja oder Nein,
Gut oder Böse.
Da gibt es kein Vertun.

Solche Menschen machen mir Angst.
Sie lassen keinen Freiraum -
freien Raum für Aufbrüche,
freien Raum für Durchbrüche,
freien Raum für Einbrüche,
freien Raum für Träume, Zweifel, Ängste.
Freien Raum lassen sie nicht,
die Menschen, die immer wissen, wo’s langgeht.

Aber ich weiß auch etwas:
Die Bibel erzählt von Menschen,
die zweifeln (wie Thomas),
die Angst haben (im Seesturm),
die den Aufbruch wagen (wie Abraham),
(ohne zu wissen, wo’s langgeht)
die sich auf den Weg machen (nach Emmaus),
die sich auf ganz Neues einlassen (nach Pfingsten).

Menschen auf dem Weg.
Menschen auf der Suche.
Menschen mit Visionen.
Das ist beruhigend zu wissen.
Für meinen Lebensweg.
Weil ich manchmal nicht weiß, wo’s langgeht.

Christoph Müer (31) aus: Marcus C. Leitschuh (Hrsg.) Fit für Gott - Gebete und Texte junger Christen, Pattloch Verlag

Leben

Lieber Gott!
wie die Überreste einer schönen Feier;
wie die Fetzen eines wunderbaren Lebens;
wie die Musik aus einen vergessenen Traum;
wie die vertrocknete Blume im Winter
wie der Stummel der Zigarette von gestern;
wie der schmutzige Koffer einer vergangenen Reise;
wie die Lauge einer geplatzten Seifenblase;
ist so mein Leben?
Danke Gott, daß mit Dir das leben reicher wird!

Anne Morgenschweis aus: Marcus C. Leitschuh (Hrsg.) Fit für Gott - Gebete und Texte junger Christen, Pattloch Verlag

Leben im Angesicht des Todes

Herr…

hilf mir, dem Tod ins Gesicht zu sehen,
als hätte ich es schon einmal mit ihn zu tun gehabt.
Ich weiß, das Leben hat seine Grenzen,
einmal wird es zu Ende sein.
Oder ist es nur die Krankheit,
die dann zu Ende ist?

Herr, mach mehr aus meinem Leben;
laß mir die Stunden und Minuten kostbarer werden.
Bringe mich näher an die Wirklichkeit heran.
Ist meine Zukunft begrenzt, schenke mir eine erfüllte Gegenwart.

Ich möchte die Stunden auskosten.
Laß mich das Heute voll ausfüllen.
Jesus, ich möchte deinen Weg gehen und mich sicher fühlen im Angesicht des Unbekannten.
Ich wünsche mir ein von dir gesichertes Leben mitten in all meiner Unsicherheit. Amen.

Herbert F. Brokering

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