Archiv der Kategorie Klage

Ich klage es dir

Herr, ich werde sehr geschlagen. Sie drohen mir. Sie reden über mich. Hinter meinem Rücken hecken sie Pläne aus. Gegen mich.

Aber ich weiß, du bist meine Rettung, mein Schild und mein Schirm. Du allein bist der Fels, auf dem ich sicher wohne. Bin ich bei dir, dann ist deine Kraft um mich herum. Du schützt mich, dass ich sicher lebe. Ich lebe vor dir. Danke, Herr, dafür.

Amen.

Katastrophe

Herr, der Boden schwankt unter meinen Füßen. Nichts ist mehr da, wo es gestern noch war. Alles ist verrückt.

Auch ich. Wer bin ich jetzt? Wo soll ich hin? Was bedeutet noch etwas? Und wie geht mein Leben weiter?

Häuser sind eingestürzt. Bäume entwurzelt. Menschen tot.

Wo ich auch hinschaue. Alles ist anders. Und ich will es so nicht!

Ich will leben. Rette mich.

Mache meine Füße fest. Mach alles wieder gut.

Amen.

Ich bin ein Wurm


Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke.
Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
‘Er klage es dem Herr, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.’
Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt.
Ihre Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe.
Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.

aus: Psalm 22

Klage

Was ich wollte, liegt zerschlagen,
Herr, ich lasse ja das Klagen,
Und das Herz ist still.
Nun aber gib auch Kraft zu tragen,
Was ich nicht will!

Joseph von Eichendorff

Klage

Aus tiefer Not schrei ich zu dir,
Herr Gott! erhör mein Rufen.
Dein gnädig Ohren kehr zu mir
Und meiner Bitt sie öffen.
Denn so du willst das sehen an,
Wer kann, Herr, vor dir bleiben?

Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst,
Die Sünden zu vegeben.
Es ist doch unser Tun umsunst
Auch in dem besten Leben.
Vor dir niemand sich rühmen kann,
Des muß dich fürchten jedermann
Und deiner Gnaden leben.

Darum auf Gott will hoffen ich,
Auf mein Verdienst nicht bauen.
Auf ihn mein Herz soll lassen sich
Und seiner Güte trauen,
Die mir zusagt sein wertes Wort,
Das ist mein Trost und treuer Hort,
Des will ich allzeit harren.

Martin Luther

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