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Spät habe ich dich geliebt

Spät hab’ ich dich geliebt,
o Schönheit,
so alt und so neu,
spät dich geliebt!

Und siehe,
drinnen warst du und ich draußen,
suchte dich da
und warf mich auf all das Schöne,
das du gemacht,
und war doch selbst so hässlich.

Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir.

Fernab hielt mich von dir all das,
was doch nicht wäre, wär’ es nicht in dir.

Da hast du gerufen,
geschrien,
den Bann meiner Taubheit gebrochen,
hast geblitzt,
gestrahlt
und meine Blindheit verscheucht.

Deinen Duft hab’ ich geatmet
und seufze nun nach dir.

Ich habe dich geschmeckt
und hungere und dürste nun.

Du hast mich berührt,
und ich bin entbrannt
in Verlangen
nach deinem Frieden.

aus: Aurelius Augustinus, Bekenntnisse

Ich klage es dir

Herr, ich werde sehr geschlagen. Sie drohen mir. Sie reden über mich. Hinter meinem Rücken hecken sie Pläne aus. Gegen mich.

Aber ich weiß, du bist meine Rettung, mein Schild und mein Schirm. Du allein bist der Fels, auf dem ich sicher wohne. Bin ich bei dir, dann ist deine Kraft um mich herum. Du schützt mich, dass ich sicher lebe. Ich lebe vor dir. Danke, Herr, dafür.

Amen.

Katastrophe

Herr, der Boden schwankt unter meinen Füßen. Nichts ist mehr da, wo es gestern noch war. Alles ist verrückt.

Auch ich. Wer bin ich jetzt? Wo soll ich hin? Was bedeutet noch etwas? Und wie geht mein Leben weiter?

Häuser sind eingestürzt. Bäume entwurzelt. Menschen tot.

Wo ich auch hinschaue. Alles ist anders. Und ich will es so nicht!

Ich will leben. Rette mich.

Mache meine Füße fest. Mach alles wieder gut.

Amen.

Herbstlaub

Herr,

die Blätter fallen von den Bäumen. Sanft rutschen sie von den Zweigen ab, kreiseln der Erde zu. Lass auch mich immer wieder wie diese Blätter in deine Hände gleiten. Halte mich und fang mich auf, wenn ich falle.

Amen.

Geborgenheit

Meinem Gott gehört die Welt,
meinem Gott das Himmelszelt,
ihm gehört der Raum, die Zeit,
sein ist auch die Ewigkeit.
Und sein eigen bin auch ich.
Gottes Hände halten mich
gleich den Sternen in der Bahn;
keins fällt je aus Gottes Plan.
Wo ich bin, hält Gott die Wacht,
führt und schirmt mich Tag und Nacht;
über Bitten und Verstehn
muss sein Wille mir geschehen.

Geborgenheit

Gott,
in mir ist Dunkel-
aber bei dir ist Licht.
Ich bin einsam-
aber du verläßt mich nicht.
Ich bin mutlos-
aber du bringst mir Hilfe.
Ich bin unruhig-
aber du schenkst mir Frieden.
In mir ist Bitterkeit-
aber bei dir ist Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht-
aber du weißt den Weg für mich.

Dietrich Bonhoeffer

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